Montag Morgen
Montag, 5 Uhr 45: Was der Wochenbeginn mit uns macht
Kennt ihr das? Der Wecker klingelt, und für einen Moment liegt da dieses müde Zögern. Dieses Gefühl, das viele von uns kennen, der sogenannte Alltag wartet, der Kalender der nächsten fünf Tage ist im Kopf schon halb durchgegangen, und gleichzeitig willst du eigentlich noch einen Moment bleiben. Im warmen Bett, in dieser friedlichen Stille der Matratzenumgebung, in diesem kurzen und flüchtigen Übergang zwischen Schlaf und Wachsein.
Ich habe mir in den letzten Wochen angewöhnt, genau diesen Moment nicht zu überspringen, weil ich merke, wie viel sich verändert, wenn ich den Übergang bewusst gestalte, anstatt mich von ihm überrollen zu lassen.
Der Montag als Spiegel
Montage sind ehrlich. An einem Montag merkt man sofort, wie es einem wirklich geht. Die Wochenend-Entspannung, trifft auf die erste E-Mail, den ersten Termin, die erste Deadline – und in diesem Zusammenstoß zeigt sich oft sehr klar, wo du stehst. Bist du gereizt? Erschöpft? Neugierig? Bereit?
Meine Meinung ist, der Montag bekommt zu Unrecht seinen schlechten Ruf. Er ist nicht der Feind. Er ist eher wie ein Spiegel, der einem zeigt, womit man die Woche eigentlich beginnt – mit welcher inneren Verfassung, mit welchen Gedanken, mit welcher Haltung. Genau das macht ihn interessant. Wenn ich montags gereizt bin, sagt das oft mehr über meine Woche davor aus als über den Montag selbst.
In der kontemplativen Fotografie gibt es diesen Gedanken, dass die Kamera nicht in erster Linie ein Werkzeug ist, um etwas im „draußen“ einzufangen, sondern ein Spiegel für das, was gerade in mir „drinnen“ passiert. Ein Foto, das ich am Montag Morgen mache, sieht meist ganz anders aus als eines vom Sonntagabend – nicht weil sich die Dinge so radikal verändert hätten, sondern weil sich meine Aufmerksamkeit verändert hat.
Eine kleine Einladung für diese Woche
Was ich mir selbst – und vielleicht auch dir – für diesen Wochenbeginn wünsche, ist nicht ein perfekt durchgeplanter Montag, sondern ein bewusster erster Moment. Ein paar Atemzüge, bevor das Handy in die Hand genommen wird. Ein Blick aus dem Fenster, bevor die To-Do-Liste beginnt zu rattern. Vielleicht sogar ein einziges Foto. Nicht für Instagram, nicht für irgendwen. Nur für mich selbst, als kleine Notiz: „So habe ich diese Woche begonnen.“ Ein aufmerksamer Helfer den Fokus zu lenken.
Ich mache das inzwischen öfter, und ich merke, dass sich dadurch etwas verschiebt. Nicht dramatisch, nicht sofort. Aber die Woche fühlt sich weniger an wie etwas, das über mich hereinbricht, und mehr wie etwas, das ich mitgestalte – Tag für Tag, Foto für Foto.
Ich finde den Satz „Hoch die Hände, Wochenende“ ganz schrecklich. Er impliziert für mich ein Maß an werktäglicher Unzufriedenheit, ein Leben, dass auf zwei Tage die Woche beschränkt ist. Das will ich so für mich nicht. Ich nehme mir die Freiheit auch über meine Wochentage selbst zu bestimmen und meinen Fokus durch meine Fotografie bewusst zu lenken.
Wenn du mehr über kontemplative Fotografie und das Fotografieren als Weg zu mehr Achtsamkeit erfahren willst, schau gerne auf bildgeschichte.at vorbei – dort vertiefe ich genau diese Themen.
Und falls dich der Gedanke an „bewusste Übergänge“ im Alltag interessiert: In einer der nächsten Episoden von Salon Knuterbunt wird genau das ein Thema sein. Lass dich überraschen.
Einen guten Start in die Woche – mit oder ohne Kamera in der Hand.
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