Gedanken zu einem halben Jahrhundert Knuterbunt -Teil 1
Dieses Jahr werde ich fünfzig. Das gibt mir immer wieder die Gelegenheit, über Dinge nachzudenken, die mich beschäftigen.
Ich umgebe mich, so gut es geht freiwillig, nicht mehr mit Menschen, die mir nicht gut tun, mir Energie rauben.
Ich gehe aus Situationen, die für mich negativ sind einfach raus, nicht aus Feigheit oder weil ich konfliktscheu bin, sondern weil ich aus einer bewussten Entscheidung heraus für mich beschlossen habe, die dafür nötige Energie nicht aufbringen zu wollen.
Ich hab Menschen um mich, die mir gut tun, allen voran meine Frau Sabine, meine Familie und meine Freunde, wobei die Differenzierung zwischen Familie und engen Freunden eine rein nominelle ist.
Ich treffe meine eigenen Entscheidungen. Das hat nichts mit Egoismus oder Narzissmus zu tun sondern einfach mit Selbstwert. Meine Entscheidungen folgen meinen Werten. Respekt und Akzeptanz vor der Meinung und dem Blickwinkel anderer stehen hier ganz oben. Zu helfen und die Welt ein wenig besser zu hinterlassen, als ich sie täglich vorfinde auch. Ich reflektiere viel und hinterfrage mich und das was ich tue und ich versuche mich ständig weiter zu ent-wickeln.
Ich vertrete die Meinung, dass es sowas wie ein universelles Gleichgewicht gibt. Alles und alle stehen miteinander in Verbindung, Energie geht nicht verloren sondern wird lediglich umgewandelt. Alles im Universum gleicht sich aus. Von Sabine hab ich gelernt großzügig zu sein. Ihr glaubt gar nicht wie oft dadurch Positives auf einen selbst zurück kommt.
Ja ich mache Fehler. Ich kann dies sehr leicht auf mein Mensch sein zurückführen, manchmal ist es einfach Naivität, Unvorsichtigkeit oder mangelnde Erfahrung. Letzteres ist mit ziemlicher Sicherheit der Hauptgrund meines auftretenden Fehlverhaltens. Meine Fehler sind gleichzeitig meine Helfer. Welch herrliches anagrammatisches Wortspiel. Dummheit ist es dann, wenn ich einen Fehler zweimal mache.
Ich darf mich verändern. Nichts ist in Stein gemeißelt. Ich darf auch meine Meinung ändern. Wenn ich heute Schnitzel mag und morgen nicht, ist das ok. Innerhalb eines sozialen und rechtlichen Gefüges (ok der Halbsatz muss sein, als gelernter Jurist) darf ich mich frei bewegen. Ich bin niemandem Rechenschaft schuldig wenn ich meine Meinung ändere, solange ich dadurch nicht in die Integrität anderer eingreife, sie verletze oder sonst wie schade. Die Interpretation lässt natürlich philosophischen Spielraum zu. Mein Postulat gilt aber auch für dieses Statement, solltet ihr also anderer Meinung sein, lasst es mich gerne wissen, ich denke drüber nach.
Was mir zunehmend Gedanken macht ist der Umstand, dass ich solange, wie ich schon auf dieser Welt bin, der aktuellen Lebenserwartung folgend, nicht mehr da sein werde. Ja, das macht mir Angst. Umso mehr ist es an notwendig nichts mehr aufzuschieben. Mein Papa hat immer gesagt: „Das mach ich dann in der Pension…“. Dann hat er seinen Ruhestand angetreten und hat viel Zeit davon bei Ärzten und aufgrund dreier schwerer Krankheiten auch viel in Spitälern verbracht bevor er mit 73 gestorben ist.
Jetzt kann ich mich noch erinnern, als mein Vater 50 wurde, fast so als wäre es erst ein paar Jahre her. Jetzt bin ich so alt wie er zum Zeitpunkt meiner Erinnerung. Wenn ich daran denke, vielleicht auch nur mehr 23 Jahre auf dieser Welt zu haben, wird mir sehr, sehr komisch.
Mein Vater wollte mich vieles Lehren. Wenn ihm aber eines wirklich gelungen ist, dann die Erkenntnis, nichts auf morgen zu verschieben. Leben im Hier und Jetzt. Danke Papa!
Wie die Zeit vergeht sehe ich auch ganz stark an meinen drei Kindern. Sie sind mittlerweile zu zwei Drittel selbst schon erwachsen (22,18 und fast 14) und seit langem schon eigene Persönlichkeiten. Schön zu sehen wie sich aus den exakt gleichen genetischen Voraussetzungen so unterschiedliche Charaktere ergeben können. Ich bin stolz auf euch.
Apropos Kinder. Das Kind im Mann, oft zitiert, unheimlich wichtig. Für mich. Wenn ich ehrlich bin, kann ich selbst nicht glauben, 50 zu werden. Da ist immer noch dieser infantile Spieltrieb, diese Kindliche Freude und oft auch eine bestimmte Ausprägung von Grundnaivität. Positiv ausgedrückt würde ich diese auch als Urvertrauen bezeichnen. So ein wenig „Alles wird gut“ oder besser „Alles wird Knut“…
Ich habe für mich beschlossen, so alt ich auch werde, diese Tugenden behalte ich. Sie haben mich lange begleitet und Freude bereitet, sie machen mich aus und ich mag es, wenn andere Menschen auch so ticken. Kein Grund für mich daher zur Besorgnis.
Ein halbes Jahrhundert ist viel Zeit, auch wenn es mir nicht so vorkam. Es geht auf und ab, das heißt wohl zu leben. Ich freue mich, Menschen und ihre Geschichten kennenzulernen. Ich bin in vielen Bereichen meines Lebens angekommen. Ich bin glücklich, da wo ich bin. Ich glaube „knutartig“ zu sein, mit all den Eigenschaften, die mich ausmachen und ich bin sicher:
Am Ende wird alles knut…
Das könnte Dir auch gefallen
Hochzeitsfotografie – Ein Blick hinter unsere Kulissen
19. April 2025
Umarmungen
21. April 2022