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Reflexionen zum Jahresbeginn – oder wie ich es vermeide, von guten Vorsätzen enttäuscht zu werden…

Sabine und ich haben den Neujahrstag genutzt, ein wenig zu reflektieren und zu planen. Keine gute Vorsätze, lediglich Pläne, Ziele und Wünsche. Die Schritte bewusst kleiner gewählt und ohne Erwartung. Damit fällt auch die Sorge des Versagens.

 

Ich mag keine guten Vorsätze. Auch keine schlechten. Und wer bitteschön definiert die Zugehörigkeit. Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins K(r)öpfchen? Da sind schon viele vor mir gescheitert. Also dann lieber gar keine Vorsätze.

 

Ich habe seit letztem Jahr begonnen mir Jahresgrundsätze zurecht zu legen (eigentlich ist jeder Jahresgrundsatz vielmehr ein Motto, aber ich wusste trotz meiner Lateinstunden in der Schule nicht den richtigen Plural von Motto. Motti? Mottos? Daher bin ich bei der rhetorisch unschönen Formulierung „Jahregrundsätze“ geblieben). Die habe ich mir so aufgeschrieben, dass ich sie jeden Tag gut lesbar zu Gesicht bekomme. So steht da auf der ersten Seite meines Bullet Journals: „Leiste dir den Luxus der Normalität“.

 

Oder: „Umgib dich mit Menschen, die dir gut tun!“

 

Heuer neu dazugekommen:“Lerne und Lebe die Kunst der kleinen Schritte.“

 

Das hilft mir, mich immer wieder zu fokussieren, neu auszurichten und mental zu kalibrieren.

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Ich habe die letzten Wochen auch viel über meine Fotografie nachgedacht. Falks Gedanken und sein mich teilhaben lassen an einer Form der Veränderung, die ich für mich schlicht als mutig empfinde mit der Begründung, dass ich selbst nicht den Mut hätte, alles zu verkaufen und Neues zu probieren, hat mich letztlich doch sehr zum Nachdenken gebracht.

 

Öfter als sonst habe ich mir die Tage die Frage gestellt: „Bin ich noch zufrieden mit meiner Fotografie?“

 

Eigentlich ja, aber…

 

Im letzten Jahr habe ich immer wieder einmal bemerkt, dass mir meine Fotografie nicht immer gut tut sondern manchmal auch stresst. Besonders die Wochenenden, die mit Hochzeiten belegt sind ziehen mehrere Tage der Rekonvaleszenz mit sich. Mit fast 50 laden die Batterien halt langsamer und das bei geringerer Kapazität.

 

Aber nicht nur kundenbedingte Erwartungshaltung sondern auch die eigene Perfektion, der Vorwurf mangelnder Kreativität an mich selbst und der stille Vergleich mit anderen haben dazu geführt, dass meine Unzufriedenheit an manchen Tagen wie Phoenix aus der Asche empor stieg. Der stetige Drang etwas Verändern zu wollen ohne zu wissen was und die Unzufriedenheit darüber, nichts auf die Straße zu bringen. Wieder ein Jahr vorbei und gefühlt is nix weitergegangen.

 

Wirklich nix? Oder gibt es da ein paar Neuronen in meinem Hirn, die ähnlich dem gallischen Dorf Widerstand leisten, nur dass sich der selbige nicht gegen die Römer sondern gegen den inneren Schweinehund richtet.

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Zum Thema Entschdiungsvielfalt: Wie sehr habe ich mich in dieser Folge und diesen Gedanken wiedergefunden. Fast schon in flagranti ertappt gefühlt habe ich im Auto dieser Episode gelauscht. Begleitet von ständigem, zustimmenden Kopfnicken, einem verlegenem Lachen oder auch von einer wie Schuppen von den Augen fallenden Erkenntnis getroffen, mindesten ganz oft auch schon von der Entscheidungsschwäche gepackt worden zu sein, ein Objektiv auszusuchen und dann doch den ganzen Rucksack vollgepackt mitzuschleppen.

Insofern steigt in mir die Bewunderung zu deinem Entscheidungsmut gerade wieder ins Unermessliche lieber Falk 😉

 

Und dennoch bedeutet mir die Fotografie so viel. Genau deswegen, weil sie mich erbarmungslos zwingt ständig zu reflektieren, mich Veränderung auszusetzen und Dinge und auch mich selbst zu hinterfragen. Sie ist es, die mir andere Blickwinkel zeigt und auch wenn sie nicht meine eigenen werden, hilft sie mir, andere Blickwinkel zu akzeptieren und zu respektieren.

 

Meine Fotografie hilft mir dabei wieder ein Stück näher zu mit selbst zu rutschen. Auch diesen Herbst, als meine Batterien ziemlich leer gewesen sind und mein Kopf voll mit Gedanken und Sorgen, war sie ein wesentlicher Teil meiner Regeneration und ein Erfolgsfaktor meiner Resilienz.

 

Mittlerweile kann ich auch auf Fotomessen und in den Fachhandel gehen ohne etwas kaufen zu müssen, weil ich zufrieden bin mit dem was ich habe. Mein FOMO hat sich so gut wie vertschüsst und mein GAS ist lang nicht mehr so schädlich für meinen Kontostand wie noch vor ein paar Jahren.

Meine Fotografie hilft mir zu kommunizieren. Ich fotografiere nicht um verstanden sondern um gehört zu werden.

 

Mein Zaubertrank gegen den inneren, oft auch zweifelnden Schweinehund ist die Fotografie.

 

Fotografie tut gut.

 

Meine Fotografie geht aus all diesen Gründen immer mehr in Richtung kontemplative Fotografie. Alltagsfotografie. Ich mag mit ihr die schönen, alltäglichen Dinge entdecken und meine Gedanken auf die vermeintlich kleinen Dinge im Leben richten und davon erzählen. Mein Anspruch ist nicht Aufmerksamkeit zu erzwingen sondern Menschen zu erreichen, meine Geschichten zu erzählen und im besten Fall Menschen damit auch zu berühren.

 

So haben wir am gestrigen Neujahrstag den Luxus der Normalität genossen, einen Spaziergang durch Baden gemacht, unser Jahr 2026 unter die Lupe genommen, Urlaube geplant und Wünsche geäußert.

 

Wir werden unsere Zeit mit Menschen erleben, die uns gut tun. Wir werden kleine Schritte gehen und wir werden vermehrt die Möglichkeiten nutzen, die uns der Tag bietet.

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